Australien betreibt mit dem National Electricity Market (NEM) eines der längsten Verbundnetze der Welt – über eine Distanz von 5.000 Kilometern. Das Stromsystem befindet sich in einer tiefgreifenden Transformation hin zu erneuerbaren Energien, angetrieben durch herausragende Solar- und Windressourcen sowie ambitionierte politische Ziele: 82 Prozent erneuerbare Energien im Strommix bis 2030. Bereits heute zeigt sich die Dynamik dieser Transformation, australische Haushalte sind bei Solardachanlagen und dem Ausbau von Batteriespeichern weltweit führend, und im vierten Quartal 2025 deckten erneuerbare Energien erstmals mehr als die Hälfte des Strombedarfs im NEM. Gleichzeitig stellen Netzausbau, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit weiterhin zentrale Herausforderungen dar. Diese Briefing-Serie gibt einen Überblick über die wesentlichen Strukturen und zentralen Debatten des australischen Stromsystems und -markts.
Das zweite Briefing widmet sich der Netzinfrastruktur des NEM. Es erläutert den komplexen, bundesstaatlich fragmentierten Planungsrahmen für das Übertragungsnetz und zeigt, wie zentrale Ausbauprojekte zunehmend durch Kostensteigerungen, langwierige Genehmigungsverfahren und wachsenden gesellschaftlichen Widerstand ins Stocken geraten. Das Briefing ordnet die Rolle der Renewable Energy Zones (REZs) ein, die Erzeugungs- und Netzplanung räumlich bündeln und den EE-Ausbau beschleunigen sollen – in der Praxis aber noch mit erheblichen Umsetzungshürden kämpfen. Schließlich erklärt es das offene Netzzugangsregime des NEM, einschließlich der Funktionsweise von Marginal Loss Factors (MLFs) und der Generator Performance Standards (GPS), die international als besonders anspruchsvoll gelten und für Projektentwickler erhebliche Standortrisiken bedeuten.