Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE)
In cooperation with
Partner
Hochschule Bremen
Untersuchungsgegenstand
Die kommunale Wärmeplanung ist ein zentrales Instrument, um die Klimaziele im Gebäudesektor zu erreichen. Seit Inkrafttreten des Wärmeplanungsgesetzes (WPG) im Jahr 2024 sind Kommunen bundesweit verpflichtet, Strategien für eine klimaneutrale Wärmeversorgung zu entwickeln. Doch zwischen dem Plan und der tatsächlichen Umsetzung klafft noch eine erhebliche Lücke – insbesondere in dicht besiedelten Städten.
Hier setzt KWP-Boost an. Das Projekt untersucht, wie das bürgerschaftliche Potenzial im urbanen Raum genutzt werden kann, um die kommunale Wärmeplanung zu beschleunigen und die lokale Akzeptanz für die Wärmewende zu stärken. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Bürger:innen – etwa über Erneuerbare-Energien-Gemeinschaften oder Wärmegenossenschaften – aktiv an der Gestaltung der Wärmeversorgung in ihrem Quartier mitwirken können und welche Bedingungen dafür geschaffen werden müssen.
KWP-Boost geht drei zentralen Forschungsfragen nach:
Wie können Geodaten über soziale Milieus (SINUS-Milieus) mit Energiedaten kombiniert werden, um Quartiere gezielter für die Umsetzungsplanung zu erschließen?
Welche Kriterien und Parameter sind entscheidend, um urbane Bürgerenergie-Vorhaben im Bereich Wärme so zu entwickeln, dass sie die Bedarfe und Voraussetzungen der breiteren Stadtgesellschaft abbilden?
Welche Rollen und Prozesse sind notwendig, damit Kommunen und Stadtgesellschaft gemeinsam Vorhaben der Wärmewende realisieren können?
Das Forschungsteam kombiniert dabei räumliche Analysen sozio-ökonomischer und demografischer Daten mit energietechnischen Eignungsbetrachtungen. Am Beispiel der Stadt Bremen wird das gesamte Stadtgebiet analysiert, um jene Quartiere zu identifizieren, in denen das Potenzial für bürgerschaftliches Engagement in der Wärmeversorgung besonders hoch ist. Zwei dieser Quartiere werden anschließend vertieft begleitet. Das Forschungsteam erprobt dort gemeinsam mit den Menschen vor Ort konkrete Ansätze zur Quartiers-Aktivierung.
Ziele des Projekts
KWP-Boost verfolgt vier übergeordnete Ziele:
Ziel 1: Definition und Charakterisierung von sozialen Milieus, die sich besonders für Erneuerbare-Energien-Gemeinschaften (EE-Gemeinschaften) eignen – auf Basis empirischer Daten.
Ziel 2: Entwicklung eines Modells zur Identifikation von Quartieren mit hohem Potenzial für die Bildung von EE-Gemeinschaften, exemplarisch erprobt in Bremen.
Ziel 3: Validierung der Ergebnisse und Erprobung eines neuen Beratungsansatzes mit zielgruppenspezifischer Kommunikationsstrategie, der auf andere Städte übertragbar ist.
Ziel 4: Entwicklung einer praxisnahen Handreichung für die Beratung und Initiierung von EE-Gemeinschaften im Kontext der Wärmewende.
Am Ende des Projekts soll ein erprobtes und übertragbares Prozessmodell stehen, das Kommunen und Bürger:innen deutschlandweit dabei unterstützt, EE-Gemeinschaften im urbanen Raum zu identifizieren, zu initiieren und umzusetzen.
Gliederung des Projekts
Das Vorhaben gliedert sich in drei eng miteinander verknüpfte Arbeitspakete:
AP 1 – Potenzialanalyse Die Hochschule Bremen analysiert stadtweite Geodaten, SINUS-Milieu-Daten sowie energietechnische Kennwerte für das gesamte Bremer Stadtgebiet, um Quartiere mit hohem bürgerschaftlichem Potenzial zu identifizieren. Parallel führt adelphi research eine bundesweite Umfrage unter Kommunen durch, um Potenziale und Hemmnisse für EE-Gemeinschaften in deutschen Städten systematisch zu erfassen.
AP 2 – Aktivierungspotenziale im Quartier Auf Grundlage der Analyse werden zwei Bremer Quartiere ausgewählt und vertieft begleitet. energiekonsens und das ECOLOG-Institut erproben dort gemeinsam mit den Menschen vor Ort zielgruppenspezifische Beteiligungsformate – von Zukunftswerkstätten bis hin zur Moderation von Diskussionsprozessen in der Kommunalverwaltung.
AP 3 – Übertragung in ein Prozessmodell Die Ergebnisse aus AP 1 und AP 2 münden in ein praxisnahes, auf andere Städte übertragbares Prozessmodell. adelphi research synthetisiert die Erkenntnisse und stellt sie als Open-Access-Publikationen und Anwendungshilfen für Kommunen und Bürger:innen bereit.
Die Rolle von adelphi research
adelphi research übernimmt in KWP-Boost die Verbundkoordination und wissenschaftliche Projektleitung – gemeinsam mit energiekonsens als kommunalem Partner trägt das Institut die Gesamtverantwortung für den Projekterfolg. Inhaltlich verantwortet adelphi research insbesondere die bundesweite Analyse der Potenziale für Erneuerbare-Energien-Gemeinschaften in deutschen Städten sowie – aufbauend auf den Ergebnissen aller Partner – die Synthese und Entwicklung eines praxisnahen, übertragbaren Prozessmodells. Über die gesamte Projektlaufzeit wir zudem eine Begleitgruppe aus kommunalen Vertreter:innen, engagierten Bürger:innen und Fachexpert:innen, die die Modellentwicklung kritisch begleitet und absichert.
Den Abschluss bildet der Transfer der Ergebnisse in die Praxis: adelphi research entwickelt Handlungsempfehlungen, veröffentlicht zentrale Erkenntnisse als Open-Access-Publikationen und stellt ein niedrigschwelliges Anwendungs-Toolkit aus Factsheets, Checklisten und Broschüren zusammen.