Laut der Europäischen Kommission sind über 25% der Böden in der EU einem hohen oder sehr hohen Desertifikationsrisiko ausgesetzt, wobei die Mittelmeerländer zu den am stärksten gefährdeten gehören. Verschmutzung, Erosion und nicht nachhaltige Landnutzung treiben die Bodendegradation voran und gefährden die Ernährungssicherheit, die Biodiversität und eine nachhaltige ländliche Entwicklung. Der Klimawandel beschleunigt diese Risiken, weshalb es unerlässlich ist, wirksame und skalierbare Lösungen zu finden. Doch trotz ermutigender Beispiele vor Ort bleiben die Bemühungen zur Verbesserung der Bodengesundheit fragmentiert, was die Verbreitung bewährter Praktiken verlangsamt.
Im Rahmen der EU-Bodenmission zielt das europäische Forschungsprojekt Nemesis („Soil Health Living Lab Network for Combating Desertification in the Mediterranean") darauf ab, bis 2030 gesunde Böden durch fünf Living Labs in Zypern, Frankreich, Italien und Spanien sowie ein grenzüberschreitendes Living Lab in Algerien und Tunesien zu fördern. Jedes Living Lab erprobt lokal angepasste, praxisnahe Bodenmanagement-Ansätze über eine gemeinsame virtuelle Plattform mit hochauflösenden Bodendaten, einem digitalen Zwilling, Crowdsourcing-Tools und offenen Schnittstellen. Durch die Zusammenführung von Landnutzern, Wissenschaftlern, politischen Entscheidungsträgern, der Industrie und lokalen Gemeinschaften entwickelt Nemesis zudem gemeinsam Strategien, die in anderen Teilen des Mittelmeerraums repliziert werden können.
Die wichtigsten Ziele sind:
Förderung einer nachhaltigen Landbewirtschaftung durch partizipatives Co-Design und inklusive Governance.
Umwandlung der Living Labs in „Leuchttürme", die replizierbare Lösungen für die Bodengesundheit präsentieren.
Aufbau eines digitalen Ökosystems mit Data Cube, digitalem Zwilling, Crowdsourcing-Modulen und offenen Portalen.
Förderung von politischer Innovation und Kapazitätsaufbau durch berufliche Weiterbildung, E-Learning und Bootcamps.
Einbindung von Gemeinschaften und Jugendlichen zur Förderung von Bodenbewusstsein und langfristiger Verantwortungsübernahme.
adelphi research verbindet Wissenschaft, Politik und Praxis, indem Evidenz und Daten in handlungsrelevante Erkenntnisse übersetzt werden und die EU, nationale und lokale Politiken informiert werden. Wir werden fünf lokale oder nationale Policy Dialogue Tanks sowie einen Tank auf EU-Ebene als kollaborative Räume für Co-Creation etablieren, um evidenzbasierte politische Innovation zu ermöglichen. Durch die Einbindung vielfältiger Stakeholder werden die Ergebnisse der Living Labs in politische Pfade und Roadmaps übersetzt, die mit ihren strategischen Aktionsplänen abgestimmt sind. Darüber hinaus werden fünf Policy Immersion Bootcamp-Programme in den Living Labs durchgeführt, um Kapazitäten aufzubauen und politische Innovation unter jungen Stakeholdern, Studierenden und Nachwuchsfachkräften zu fördern und ihr Verständnis für Politikgestaltung, -analyse und -monitoring zu stärken.
Das Projektkonsortium umfasst 37 Partner und zwei assoziierte Partner aus 12 Ländern in Europa und Nordafrika.