Unearthing the role of mining-related deforestation as a driver of global deforestation
Autoren (Text)
Moritz Kramer, Tobias Kind-Rieper, Raquel Munayer, Stefan Giljum, Rens Masselink, Pia van Ackern, Victor Maus, Sebastian Luckeneder, Nikolas Kuschnig, Felipe Costa und Lukas Rüttinger
Dieser Bericht ist der erste umfassende Versuch, die durch den weltweiten Bergbausektor verursachte direkte Entwaldung zu bewerten und eine Schätzung der indirekten Entwaldung in Bergbauregionen vorzunehmen. Er basiert auf verschiedenen räumlichen Datensätzen und Analysen des WWF, der Wirtschaftsuniversität Wien (WU), Satelligence und adelphi und soll das Verständnis und das Bewusstsein für die Rolle des Bergbaus als Treiber der Entwaldung erweitern und so dazu beitragen, die derzeitigen Datenlücken bezüglich der indirekten Auswirkungen des Bergbaus auf die Entwaldung zu schließen.
Erkenntnisse des Berichts:
Die direkten Auswirkungen des Bergbaus auf die Entwaldung in den letzten 20 Jahren sind stark konzentriert, wobei fast 84 % der gesamten direkten bergbaubedingten Entwaldung (BBE) weltweit in nur zehn Ländern stattfand. Das Gleiche gilt für die am meisten abgebauten Rohstoffe: 71 % der weltweiten direkten Entwaldung kann auf Kohle und Gold zurückgeführt werden.
Die indirekten Auswirkungen des Bergbaus auf die Entwaldung können die direkten Auswirkungen bei weitem übertreffen, werden aber bei der Planung und politischen Entscheidungsfindung selten berücksichtigt. Diese Auswirkungen werden bei Umweltverträglichkeitsprüfungen und in der Berichterstattung noch nicht ausreichend berücksichtigt, so dass sie für die politischen Entscheidungstragenden praktisch unsichtbar bleiben. Neuere Forschungen haben gezeigt, dass die indirekten Auswirkungen des Bergbaus auf die Wälder oft nicht nur größer sind als die direkten Auswirkungen, sondern auch umfangreicher sein können. Darüber hinaus sind die Auswirkungen oft mit anderen Entwaldungsursachen wie Landwirtschaft, Verstädterung und Infrastruktur verwoben, wodurch die Rolle des Bergbaus als einer der Haupttreiber hinter diesen Ursachen verschleiert und die Bewertung der Rolle des Bergbaus bei der Entwaldung gefährdet wird.
Zwischen der nationalen, der regionalen und der lokalen Ebene bestehen erhebliche Diskrepanzen bei der BBE. In einigen Ländern sind die nationalen BBE-Werte relativ niedrig, aber ein Blick auf die regionalen und lokalen Hotspots hat gezeigt, dass die Auswirkungen viel größer sind als bisher angenommen.
Besonderes Augenmerk sollte auf Gebiete mit einem hohen Anteil an handwerklichem und kleinem Bergbau (HKB) gelegt werden. Aufgrund des dynamischen Charakters dieser Tätigkeit und der fehlenden Regulierung sind die Auswirkungen des HKB eher weitreichend, das heißt sie verursachen eher oberflächliche Auswirkungen in größeren Gebieten und sind möglicherweise schwieriger zu bewerten und zu überwachen.
Die Nachfrage nach Mineralien in anderen Ländern und Sektoren ist eine wichtige treibende Kraft hinter dem Bergbau, aber ihr Beitrag wird nicht sichtbar, wenn man die Auswirkungen des Bergbaus auf die Wälder nur in den Förderländern und -regionen bewertet. Fast die Hälfte der weltweiten Mineraliennachfrage wird von China, der EU und den USA getrieben. Innerhalb der EU steht Deutschland mit dem höchsten Bedarf an der Spitze, der zu 17 % auf den Kraftfahrzeugsektor zurückzuführen ist. Weltweit nimmt der Bausektor den ersten Platz ein und verursacht durch seine sektorspezifische Mineraliennachfrage 18 % der gesamten BBE.
Politische Entscheidungstragende und der Privatsektor können bei der Umsetzung der Minderungshierarchie zur Vermeidung und Minimierung von BBE sowie zur Wiederherstellung und Entschädigung von BBE-Gebieten eine unterschiedliche, aber entscheidende Rolle spielen. Die Empfehlungen reichen von der Vorerschließungs- über die Betriebs- bis hin zur Nachsorgephase des Bergbaus und umfassen Investitionen in umfassende Bewertungen und die Wiederherstellung von Wäldern, die Einbeziehung der betroffenen Bevölkerung als wichtige Interessengruppe für den Schutz der Wälder sowie die Förderung von Kreislaufwirtschaftspraktiken und einer sauberen Energiewende.